DAS HOLOCAUST-SNAPCHAT-PROJEKT

Die letzte Chance

August 2016: Wir, 16 junge Journalisten aus Berlin, sprechen mit Margot Friedländer. Sie ist Jüdin, 94 Jahre alt. In der NS-Zeit wurde sie von ihrer Familie getrennt, sie kam ins KZ Theresienstadt – und überlebte. Am Ende dieses Abends sagt Margot Friedländer: „Ich werde eines Tages sterben. Ihr müsst jetzt die Zeitzeugen sein, die wir nicht mehr sein können.“ Diese Worte sind uns nicht mehr aus dem Kopf gegangen.

Wir wollen die Botschaft der Überlebenden an die weitergeben, die bald Verantwortung übernehmen in diesem Land: an Jugendliche.

 Das drückt auch der Projektname aus: „sachor jetzt!“, eine Kombination aus Hebräisch und Deutsch: „Erinnere dich jetzt!“ Juden sagen „sachor“ häufig, um zum

Nachdenken über den Holocaust anzuregen. Genau das wollen wir tun. Wir sprechen mit Zeitzeugen. Treffen ihre Nachkommen. Fragen junge Juden, wie sie mit dem Thema umgehen. Und wir zeigen Auschwitz, den Ort, der wie kein anderer den Holocaust symbolisiert. Wir machen das auf Snapchat, einer App, bekannt für Selfies und 10-Sekunden-Videos, nicht für Qualitätsjournalismus. Trotzdem – oder eigentlich deshalb – halten wir Snapchat für eine große Chance. Weil dort vor allem Jugendliche aktiv sind.

Und genau sie wollen wir erreichen. Eine Frage haben wir in der Redaktion lang und leidenschaftlich diskutiert: Dürfen wir in einem KZ snappen? Unsere Antwort: Wir müssen es sogar. Nicht aus Effekthascherei, sondern um Snapchat-Nutzern zu zeigen, wo die schlimmsten Verbrechen aller Zeiten verübt wurden. Wir haben nicht den Anspruch, dem Thema in allen Dimensionen gerecht zu werden – das wäre unmöglich. Aber wir wollen einen Beitrag gegen das Vergessen leisten. Noch können wir mit Menschen wie Margot Friedländer sprechen, die den Holocaust erlebt haben. Bald wird das nicht mehr möglich sein.

Team 20 der Axel Springer Akademie